Schön war’s

Was soll man einander sagen, wenn man Abschied fürs Leben nimmt? Das hat Joseph Roth mal gefragt. Um eine Antwort hat Donald Tusk letzten Monat vor der Rednerpult gerungen, am unglücklichen Tag an dem der britische Botschafter den Brief einreichte, der den Austritt seines Landes in Gang setzen soll. Letzt endlich entschied sich der Präsident des europäischen Rates für vier Wörter: “We miss you already.”

Ja, Donald. Wir vermissen euch auch. Und wir bereuen es, dass unser Land denjenigen in die Hände gefallen ist, denen auch nur das geringste Verständnis der gemeinsamen Werte fehlt, die die Union zu dem macht, was sie ist.

Wir trauern um die wahre Demokratie, den vernünftigen Diskurs, die Weltoffenheit. Alle sind beschlagnahmt, sinnentleert, hässlich geworden.

Die größten Verlierer sind wir alle. Die Kleinstädtler, die für Brexit gestimmt haben, obwohl sie von dem Erzfeind ausgiebig subventioniert werden. Die EU-Bürger, deren Aufenthaltsrecht plötzlich infrage ist. Die Mindestens-48 Prozent, die sich jetzt ständig fragen müssen, ob der Nachbar zu denen gehört, die wir seit dem verhängnisvollen Referendum “das Volk” nennen sollen. Sprich, das einzig legitime.

Sie sind es, die die Oberhand gewonnen haben. Trotzdem verabscheuen wir sie, weil sie den schwer erkämpften gesunden Menschenverstand verachten, der aus dem 20. Jahrhundert mühselig hervorgegangen ist. Wir schämen uns, dass wir jetzt auf internationaler Ebene von großmauligen Krawallmacher vertreten sind, die in heuchlerische Floskeln geraten, sobald sie vor die Öffentlichkeit treten.

Wir bangen auch um die europäische Idee, die wegen unserer Landesgenossen auf wackeligem Boden steht. Noch nie war eine französische Wahl uns so wichtig wie diese. Die Frage, ob Brexit eine Bewegung ausgelöst hat, die zur Zerbröckelung der Union führen wird, begleitet uns tagtäglich. Vor dieser grausamen Folge des britischen Referendums verblassen sich auch die Schäden, die an das eigene nationale Interesse angerichtet worden sind.

Nun ist Großbritannien zum Sorgenkind Europas geworden. Nehmen wir künftig an der Wiederauferstehung Deutschlands in den Nachkriegsjahren ein Beispiel, so bleibt es freilich ein Funke Hoffnung im Finsternis. Doch war diese Erfolgsgeschichte vor allem eines zu verdanken: der Europäischen Union.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s